„Rwanda Bookmobile“

Unsere Nachbarin Shannon ist Amerikanerin, und ebenso wie wir seit 3 Jahren in Rwanda. Als Textildesignerin mit Spezialisierung auf Stickerei wollte sie hier vermutlich eher in die Modebranche einsteigen. Doch der Markt ist mit zahlreichen lokalen Näherinnen, etlichen traditionellen Massschneidereien und wenigen hochwertigen Textilboutiquen vermutlich gesättigt.

Doch Shannon sprüht vor Engagement und Kreativität, lässt sich von nix abschrecken und hat grenzenlos viele Ideen, so dass mir bei meinem Besuch bei ihrer NGO „Rwanda Bookmobile“ und ihren Erzählungen ganz schwindelig wurde.

„Rwanda Bookmobile“ ist eine NGO, die Shannon 2019 gegründet hat. Gemeinsam mit ihrem Partner und 3 lokalen Angestellten schult sie ehrenamtliche Vorleser*innen, die auf 500 gespendeten Fahrrädern durch die ländlichen Gegenden Rwandas fahren. In ihren Fahrradtaschen haben sie Kinderbücher, aus denen auf dem Dorfplatz, auf dem Schulhof, auf dem Fussballfeld, auf Farmen aber auch in privaten Innenhöfen vorgelesen wird. Besonders beliebt sind diese Aktionen in der Ferienzeit, da die Kinder fast 3 Monate zu Hause sind und keinerlei Anregungen bekommen. Oft vergessen sie das Gelernt oder sie kehren am Ende der Ferienzeit gar nicht mehr in die Schule zurück.

Doch es wird nicht nur vorgelesen. Shannon hat „Papa Yambi“ ins Leben gerufen, der mit einem Jeep durch Rwanda fährt und den Kindern aus seinem Leben berichtet. Dabei greift er viele Bildungsthemen spielerisch auf. So sind Ernährung, Umwelt, Teamgeist, Gender, Menschenrechte etc. Teil des selbst gestellten kindgerechten Bildungsauftrages.

Shannon hat mit ihrem überaus kreativen Team auch eine Kinder-Radio-Sendung initiiert, die regelmäßig am Wochenende ausgestrahlt wird. Dort werden Kurzgeschichten von „Papa Yambi“ erzählt und auch wieder Bücher vorgelesen. Das Beste an allem ist, einige Geschichten können und werden ab und an von blinden Kindern gelesen, da sie in Brailleschrift gedruckt sind. Shannon unterstützt insbesondere Kinder mit Behinderungen. Einerseits fördert sie mit ihrer NGO das Lesen und motiviert zum Erlernen der Braille-Schrift und andererseits bringt sie die Fähigkeiten blinder Kinder durch das Vorlesen in die Öffentlichkeit. Genial! Ich war bei meinem Besuch bei ihr so sehr begeistert, dass ich am Liebsten gleich meinen Job hätte kündigen und bei ihr mitarbeiten wollen. Doch ich bin ein „Sicherheitsmensch“ und wenig spontan in großen und weitreichenden Entscheidungen.

Shannon war mit ihrem Team auch im Rwandischen Flüchtlingscamp Mahama, in dem 60.000 burundische Flüchtlinge leben, die Hälfte davon Kinder. Es war ein Wunder, dass sie das Camp mit ihrem Team überhaupt hatte betreten dürfen! Normalerweise braucht man eine Genehmigung, unzählige Papiere und wahnsinnig viel Geduld beim Warten auf die schriftliche Einreisebestätigung. Aber sie hat es irgendwie auch ohne all den administrativen Kram geschafft.

Mit dem Bookmobile besucht sie auch regelmäßig Schulen und kirchliche Einrichtungen, in denen Kinder mit und ohne Behinderungen beschult werden. „Papa Yambi“ hat den Kleinen mit seinen Geschichten, den bunten Stofftieren und einem mobilen „Spielekoffer“ so unendlich viel Freude gebracht, dass man es kaum in Worte fassen kann. So berichtete mir Shannon nach ihren Besuchen. Das Besondere an den Lesungen ist außerdem, dass jede mit kleinen Bewegungs- und Yoga-Übungen verbundene wird. So hat nicht nur der Geist sondern auch der Körper etwas von diesen wunderbaren theatralischen Aufführungen.

Für eine Bibliothek in Kigali hat „Rwanda Bookmobile“ 100 Kinderbücher in Braille gespendet. Die Geschichten sind alle von ehrenamtlich tätigen Studentinnen und den Hauptangestellten geschrieben, danach gedruckt und liebevoll mit bunten Kitenge-Stoffschleifen gebunden worden. Die Freude bei den Kindern darüber war riesengroß.

„Hands on!“ ist das Motto von Shannon und ihrem Partner Dane. Sie warten nicht auf Genehmigungen, auf staatliche Verordnungen oder auf Gesetze-die die Inklusion von Schulkindern regeln. Shannon packt aktiv und mit ganz viel Liebe, Hingebung, Kreativität und Tatendrang an. Sie verändert und bereichert die Kindheit vieler Jungen und Mädchen hier in Rwanda. Ein (mein) Vorbild!

Post-Corona-Wiedersehen nach 3 Jahren

2019 waren wir das letzte mal in Indien zu Besuch, dann brach weltweit das Corona-Virus aus und Reisen war für uns alle unmöglich oder zumindest wesentlich erschwert durch die zahlreichen Tests und die diversen, einschränkenden Schutzmaßnahmen.

Die vergangenen Jahre standen Thomas und ich daher lediglich durch WhatsApp-Nachrichten und kurze Anrufe im Kontakt mit Freunden und Familie in Maharashtra. Somit waren wir jedoch nach wie vor auf dem Laufenden bezüglich des Geschehens auf der Farm in Alegaon und dem Stadtleben in Pune.

Baba feierte im April dieses Jahres seinen 75. Geburtstag, zu dem wir eingeladen waren, jedoch noch nicht anreisen konnten. Wir nahmen ein Video auf, in dem Thomas und ich uns gegenseitig über unsere erste Begegnung mit ihm und seiner Familie 2018 interviewten und die damit verbundenen emotionalen Auswirkungen dieses Zusammentreffens reflektierten. Nach wie vor sind wir alle sehr miteinander verbunden. Das Video wurde in Marathi übersetzt und vor 400 Geburtstagsgästen auf der Feier in Pune präsentiert. Was für eine Ehre, wir waren also trotzdem dabei!

Ende Juli war es dann endlich soweit und wir flogen wieder einmal nach Mumbai. Sagar, der Sohn von Baba, hatte unseren einwöchigen Aufenthalt bereits im Vorfeld mit Thomas abgestimmt und detailliert geplant. So erwartete uns bereits am Flughafen ein Taxifahrer, der uns die gesamte Zeit begleiten würde uns aber erst einmal nach Junnar Nanegath brachte, wo wir ein tolles Wochenende mit Sagar und seiner Familie verbrachten.

Wir feierten gemeinsam unser Wiedersehen nach drei Jahren in einem traumhaften Resort in den Bergen. Regenzeit bedingt eröffneten sich mystische Ausblick über satt-grüne Berge und auf zahlreiche üppige Wasserfälle. Trotz teilweise heftigen Regens unternahmen wir eine geführte Tour und besichtigten ein traditionelles Wohnhaus von Farmern in der nahen Umgebung des Resorts. Wir freuten uns über die gemeinsame intensive Zeit, die wir miteinander verbringen konnten und nutzen jeden Augenblick.

Auf unserem Zwischenstopp in Pune während unserer Weiterfahrt nach Alegaon trafen wir uns dann mit Palavis Familie. Die 25-jährige Patentochter von Thomas hatte vor einem Jahr geheiratet aber Corona hatte uns auch hier eine Teilnahme leider unmöglich gemacht, was wir sehr bedauerten. Daher war die Wiedersehensfreude groß denn wir lernten nun den Ehemann- Dnyaneshwar- kennen und hatten einen sehr positiven Eindruck von der traditionell arrangierten Ehe. Beide schienen glücklich miteinander zu sein. Palavi war schwanger!

Bei einem gemeinsamen Abendessen mit ihrer Familie übergaben wir unser verspätetes Hochzeitsgeschenk, kleine Goldringe, die in Krisenzeiten stückweise verkauft werden könnten und somit das Überleben absichern helfen würden. Hoffentlich ist der Einsatz sobald nicht notwendig.

Nun war es aber auch endlich Zeit, nach Alegaon aufzubrechen. Wir freuten uns unendlich auf das Wiedersehen mit Ravi, Shreya, Sahi, Arush, Tatya, Mangal sowie dem unterdessen 3-jährigen Om. Ihn hatten wir zwar als Neugeborenen auf dem Arm gehalten aber er kannte uns gar nicht.

Wir wurden wieder super herzlich auf der Farm empfangen und einzelne Freudentränen kullerten bei jedem von uns. Unsere Unterkunft war von Sahi mit blühenden Zweigen geschmückt worden. Sie hatte eine Lichterkette aufgehangen, Fotos von Thomas und mir waren liebevoll ausgeschnitten, dekoriert und an die Eingangstür geklebt worden. Wir waren total gerührt. Einerseits reisten wir als Familienangehörige an, wurden gedrückt und herzlich umarmt, was in der indischen Kultur und noch dazu zwischen den Geschlechtern sehr ungewöhnlich ist. Andererseits wurden wir auch als Ehrengäste empfangen denn ein traditionelles Rangoli prangte zu unseren Ehren auf dem Fussboden im Eingangsbereich. Das Gefühl der Wiedersehensfreude nach 3 Jahren zu beschreiben, ist unmöglich. Wir haben diese ungewöhnliche Verbundenheit erneut empfunden.

Auch bei unserem diesjährigen Besuch stand ein gemeinsamer Ausflug nach Sangola auf dem Program. In einem der wenigen Eisläden der Stadt einen „Mango-Mastani“ zu trinken, ist unterdessen zur Tradition geworden, die nicht nur die Kids einfordern. Wir freuen uns alle darauf und das dazu gehörende Foto wurde, ähnlich in den Jahren zuvor, auch wieder gemacht.

Selbstverständlich besuchten wir auch die Schule im Dorf, und auch dort wurden wir auf das Herzlichste von den Lehrer*innen begrüsst. Eine entsprechende Zeremonie wurde abgehalten und anschließend besichtigten wir die Klassenräume. Einige Veränderungen, die Thomas und ich 2018 initiierten, z. B. ein Archiv für Unterrichtsmaterialien hatten die Zeit sogar überstanden. Auch das veränderte Konzept der „Dnyanankur English Medium School“ (Unterricht bis zur 5. Klasse, inklusive Kindergarten und Vorschule) bestand weiterhin.

Die Schule war unterdessen neu verputzt worden. An den Wänden hatten die Lehrerinnen spezifische Lehrinhalte entsprechend der Altersstufe der Schüler kreativ gestaltet. Nun mussten die Auswirkungen der Corona-Pandemie durch fehlenden Online-Unterricht aufgearbeitet und schrittweise erneut die englische Sprachvermittlung initiiert werden.

Thomas und ich hatten die anwesenden 8 Lehrer*innen der Schule zu einem Abendessen eingeladen. Wir alle würden gemeinsam nach Unterrichtsende mit dem Schulbus nach Sangola fahren. Als wir uns an der Schule trafen, hatten sich jedoch 18 Erwachsene und 9 Kinder eingefunden. Ehemalige Lehrer*innen, die unterdessen in anderen Schulen unterrichten, deren Ehepartner und teilweise sogar einige ihrer Kinder waren demnach über unser Kommen informiert worden und wollten unbedingt dabei sein. Damit hatten wir auf keinen Fall gerechnet.

Es war ein toller Abend! Wir lachten und erzählten viel und alle wollten von uns erfahren, wie es in Afrika ist. So viel Interesse von eigentlich fremden Menschen an unserer Person und unserer Arbeit hatten Thomas und ich schon sehr lange nicht mehr erlebt. Auf dem Rückweg wurde im Bus auch noch gesungen.

Leider hatte ich mir diesmal auf unserer Reise bereits am dritten Tag eine Magen-Darm Infektion zugezogen. Daher konnte ich unsere Treffen sowie das leckere indische Essen nicht ganz so unbeschwert geniessen.

Obwohl wir nur wenige Tage in Alegaon waren, liessen wir uns einen Familien-Tagesausflug nicht nehmen. Gegen einigen Widerstand fuhr diesmal sogar Ravi mit. Er hatte organisiert, dass ein Freund die Farmarbeit für diesen Tag übernimmt (10 Kühe füttern und melken).

Wir besuchten auf Empfehlung das „Naldurg Fort“ in der Nähe von Solapur und hielten auf dem Rückweg noch an einem großen Tempel.

Im Krankenhaus von Solapur liessen wir noch unsere Corona-Schnelltest für den Rückflug nach Kigali machen, was jedoch 90 Minuten dauerte, bis alle Unterschriften, Papiere und Zuständigkeiten geklärt waren.

Wir hatten wirklich jeden Tag bis auf die letzte Minute ausgenutzt und alle geplanten Besuche geschafft. Sogar Popat (ehemaliger Lehrer der Schule) hatten wir auf seiner durch Schädlingsbefall leider komplett zerstörten Granatapfel-Plantage in Whaki besucht. Thomas war auch für eine Bart-Rasur extra ins Dorf gegangen. Die Freude des Barbiers war klar zu sehen! Kostenlos und unverzüglich begann die Schönheitsbehandlung inclusive Kopfmassage und abschließendem Tee-Masala.

Am Samstag früh fuhren wir nach tränenreichem Abschied wieder nach Pune, verabschiedeten uns dort von Babar, Sagar und Familie und reisten nach zwei Stunden gleich weiter nach Mumbai. Unser Flug startete noch am selben Abend 22:45 Uhr. Was für eine lange Autofahrt aber alles lief wunderbar und ohne Probleme erreichten wir unseren Nachtflug. Pünktlich landeten wir Sonntagmittag wieder in Kigali.

Cognos International

Man soll es kaum glauben aber u. a. durch unseren Blog ist Matthias, Executive Director von Cognos International, auf die NGO „Seeing Hands Rwanda aufmerksam geworden. Über unsere Webseite hatte er dann Kontakt zu uns aufgenommen, doch da Thomas und ich im Mai gerade in Deutschland bzw. auf Zypern im Urlaub waren, trafen wir uns zu dieser Zeit (noch) nicht.

Einen Monat später lernten wir uns dann doch noch in Kigali kennen. Cognos International hatte unterdessen Kontakte zu Vertretern der Rwandischen Regierung geknüpft, um langfristig eine Kooperation im Bildungsbereich zu initiieren. Ein Element davon ist die Arbeit mit der NGO „Seeing Hands Rwanda“.

Cognos International schickte zwei Kolleginnen, Valeria und Madeleine, für 1 Woche nach Kigali, um die Masseur*innen von Seeing Hands Rwanda zu trainieren und theoretische Kenntnisse in Anatomie und Physiotherapie zu vermitteln. Ausserdem gab es Tipps für eine bessere Gestaltung der Webseite sowie für die Auftritte in den Sozialen Medien.

Auf einer großartigen Veranstaltung im historischen Hotel Milles Collins stellten Valeria und Madeleine ihre Arbeit mit Seeing Hands Rwanda vor Vertretern des Bildungs- und Gesundheitsministeriums, der Chefin des Berufsbildungsbereiches in Ruanda sowie zahlreichen Regierungsvertretern aber auch Vertretern aus der Wirtschaft und dem Gesundheitswesen vor. In diesem Rahmen kam es dann zur offiziellen Kooperationsvertagsunterzeichnung.

Ich war so stolz auf Beth und ihre „Seeing Hands“. Sie war so aufgeregt darüber, im Mittelpunkt zu stehen. Zum ersten Mal in ihrer langjährigen Arbeit mit blinden und sehbehinderten Menschen wurde sie und „Seeing Hands“ öffentlich gewürdigt und eine Perspektive für die NGO aufgezeigt.

Für mich war es wahnsinnig spannend, so viele interessante und international tätige Menschen aus sehr unterschiedlichen Bereichen kennenzulernen und nach dem offiziellen Rahmen bei einem informellen Abendessen mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Es war mir eine besondere Ehre einen der Hauptgesellschafter der Cognos AG und Namensgeber des in Deutschland weit verbreiteten privaten medizinischen Ausbildungverbundes für Krankenpflege, Ergotherapie und Physiotherapie Ludwig Fresenius (Ludwig Fresenius Schulen, LUNEX Universität, Hochschule Fresenius) kennenzulernen.

Cognos International ist ein ganz besonderes Bildungsunternehmen in Deutschland mit zahlreichen Projekten und Initiativen auf der ganzen Welt. Mit Matthias sowie Valeria und Madeleine lernten Thomas und ich drei sehr beeindruckende Persönlichkeiten kennen. Sie strahlen vor Aktivität, Energie und Engagement und bewirken enorme Veränderungen durch unermüdlichen persönlichen Einsatz, Kreativität und viel Flexibilität. Trotz ihrer Bekanntheit und ihrem Vernetzungsgrad sowie ihrem Einfluss in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit sind alle drei auf sympathische Weise unauffällig und „normal“. Der Austausch mit ihnen war eine Bereicherung und wir haben die Tage mit Picknick im Botanischen Garten, einem Besuch beim Art-Festival in der Genozid-Gedenkstätte sowie einem Spaziergang im „Eco-Park“ sehr genossen.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im Rahmen unserer gemeinsamen Arbeit mit Seeing Hands Rwanda.

Eine neue Nase für Margueritte

Eine WhatsApp von einer uns unbekannten Person erreichte Thomas vor einigen Wochen. Seine Kontaktdaten waren von unserer ehemaligen Nachbarin, Brigitte, in Kicukiro weitergeleitet worden. Sie ist Krankenschwester in einer staatlichen Klinik in Kigali und hatte für eine begrenzte Zeit mit deutschen Chirurgen und HNO-Ärzten zusammengearbeitet, die plastische Chirurgie bei jungen Krebspatienten in Kigali durchgeführt und das einheimische Personal trainiert hatten.

Die 13-Jahre alte Margueritte, Waise, HIV- und Krebspatientin war von diesem Team behandelt worden. Nach der erfolgreichen Operation hatten die Chirurgen einen Nasenabdruck (mold) gemacht und danach eine künstliche Silikon-Nase in Deutschland anfertigen lassen. Aufgrund der wulstigen Narbenbildung konnte diese Abformung jedoch nach der Rücksendung nach Kigali leider nicht mehr genutzt werden und deshalb kamen nun wir ins Spiel.

Wir sollten erneut einen Nasenabdruck aus zwei verschiedenen Silikon-Komponenten anfertigen. Dazu nahm Thomas Kontakt mit den Chirurgen in Deutschland und in der Klinik in Kigali auf und liess sich den Prozess genau erklären. In der Umsetzung würde ich als examinierte Krankenschwester zum Einsatz kommen.

Margueritte kam in Begleitung einer Sozialfürsorgerin nach 8 Stundend Busfahrt aus der „Southern Province“ in Kigali an. Thomas holte sie vom Busbahnhof ab und brachte sie zur Übernachtung zu seiner Kollegin, Elisabeth. Da auch sie eine Tochter in ähnlichem Alter hat, war die Kommunikation mit ihr wesentlich einfacher und würde ggf. ihre Angst vor dem erneuten Eingriff ein wenig reduzieren.

Am nächsten Morgen holte Thomas Margueritte und ihre Begleiterin von Elisabeth ab und ich machte mich auch auf den Weg ins Krankenhaus, wo wir uns in der HNO-Abteilung trafen. Dort bekamen wir auf Nachfrage einen separaten Raum und sterile Materialien bereitgestellt. Thomas initiierte eine Videokonferenz mit dem Chirurgen und der HNO Ärztin in Deutschland und unter deren Anleitung applizierte ich in entsprechender Reihenfolge die unterschiedlichen Silikon-Komponenten.

Margueritte war sehr tapfer, obwohl sie offensichtlich Schmerzen hatte. Doch wir waren relativ schnell erfolgreich und konnten die Klinik nach ca. 45 Minuten mit dem neuen Abdruck wieder verlassen. Diesen würde Thomas mit einem anderen unbekannten Involvierten nach Deutschland schicken, so dass die Nase ein weiters Mal angefertigt und hoffentlich bald auch wieder nach Kigali zurück gesandt werden könnte.

Thomas brachte Margueritte nach einem gemeinsamen Mittagessen und einigen „Reise-Süssigkeiten“ zur Belohnung wieder zum Busbahnhof. Ich verabschiedete mich bereits eher, da ich einen dienstlichen Termin wahrnehmen musste. Wir werden uns jedoch hoffentlich wiedersehen, sobald die neue Nase dann auch eingesetzt wird.

05.08.2022

Heute war Thomas bei der Anpassung der neuen Nase für Margueritte erneut im Krankenhaus mit dabei und sie war überglücklich, wie man auf den Fotos deutlich erkennen kann. Wir drücken ihr ganz doll die Daumen, dass die weitere HIV Therapie gut anschlägt und der Krebs nicht mehr zurück kehrt.

4 Wandertage

Anfang Juli gab es wieder einmal die Change auf ein verlängertes Wochenende. Vom 01.07. bis 04.07. waren wir daher mit Ferdinand, unserem persönlichen Guide, zum Wandern verabredet. Entlang des „Gishwati Mukara Forest“, ein Waldgebiet im Norden Rwandas, hatte er uns eine 4 Tagestour zusammengestellt. Ziel unserer Wanderung war ein großer Wasserfall an der Hauptstraße nach Kibuye. Die Übernachtung war mit Zelten in Camps vorgesehen und täglich würden wir zwischen 13 und 20 km bewältigen müssen. Mit wenig Gepäck absolut machbar! Kein Problem, doch wie wir auf der Tour feststellten, hatten wir die zu überwindenden Höhenmeter nicht berücksichtigt. Immerhin wanderten und übernachteten wir teilweise in 2700 Meter Höhe.

Diese Tour war für uns die bisher abwechslungsreichste und landschaftlich vielfältigste Hikingtour in Rwanda. Wir passierten schmale Pfade an steilen Abhängen, und überquerten Plateaus mit erneut atemberaubenden Ausblicken auf die „1000 Hills“ von Rwanda.

Da in diesem Gebiet die Viehzucht (Milchproduktion) die einzige Einnahmequelle der Landbevölkerung ist, bekamen wir sogar die Gelegenheit uns selbst frische Frühstücksmilch „zu zapfen“.

Das genüssliche Trinken war wesentlich einfacher als das Melken, was mir anfangs gar nicht gelang. Doch unter fachlicher Anleitung und belustigenden Blicken der Farmer reichte es dann doch noch für den Frühstückstrunk.

Später ging es weiter durch den dichten, so genannten „Afromontanen Naturwald“ vorbei an Wasserfällen und schlammigen Flussläufen, in denen zahlreiche Männer nur teilweise legal nach Koltan schürften. Sobald sie uns kommen sahen, rannten sie davon und versteckten sich im üppigen Gebüsch und hinter Fluss-Steinen am Ufer. Erst als sie unsere Gruppe als Touristen erkannten, nahmen sie das Schürfen wieder auf. Einige der Männer leben längere Zeit in kleinen Höhlen in den angrenzenden Gebirgszügen und kehren erst mit ein wenig Geld nach einem Fund zu ihren Familien zurück.

Unsere 3 Übernachtungsplätze waren auch stets etwas ganz Besonderes. Ein Camp war am Rande eines Dorfes gelegen, so dass wir während unseres Zeltaufbaus von staunenden Kinderaugen verfolgt wurden. Ein anders Camp befand sich direkt vor den Bergen in der absoluten Einsamkeit und wir hatten einen grandiosen Picknickplatz sowie einen unbeschreiblichen Sternenhimmel am Abend. Aufgrund der Dunkelheit durch fehlende direkte und indirekte Lichter aus nahegelegenen Ortschaften war der tiefschwarze Abendhimmel mit tausenden Sternen dicht überzogen und sogar die Milchstraße war klar zu sehen. Unbeschreiblich schön!

Leider war es in der Nacht doch auch sehr kalt, so dass wir sämtliche Sachen in Schichten übereinander ziehen mussten und trotzdem froren denn der Wind war eisig. Das Lagerfeuer half ein wenig, bis es Zeit war, ins Zelt zu krabbeln. Da wir nur mit unseren einfachen Schlafsäcken ausgerüstet waren, kroch die Kälte jedoch schnell vom steinigen und dünn bewachsene Boden hoch. Große Zufriedenheit aber auch Erschöpfung liessen uns letztendlich doch einschlafen.

Während der gesamten Tour begleitete uns jeweils ein kleines Serviceteam, was für die Verpflegung in der Abgeschiedenheit des jeweiligen Camps und für das Wasser zuständig war. Auch mit ihm hatten wir richtig Spass und Thomas initiierte sogar Fotoshootings.

Vier körperlich anstrengende Tage, die wir jedoch mit der Unterstützung von Ferdinand @slow_hike_Africa ganz wunderbar meisterten. Erinnerungen, die wir in unseren traditionellen bildhaften Jahresrückblick aufnehmen und anderen gern zeigen werden.