Wir sind fertig

„Wir sind fertig!“ Das trifft in zweierlei Hinsicht zu. Zum einen ist das die Aussage von NPD (Nyarutarama Property Developers), der nationalen Bauorganisation Ruandas. Unser Weg vorm Haus ist nun zu einer befestigten Straße geworden und nach 5 Wochen fast fertig. Zum anderen bin ich fertig und am Rande eines Nervenzusammenbruchs, da die mit den Baumaßnahmen einhergehenden Auswirkungen (Stromausfälle, inakzeptable Internetverbindung, kein sauberes fließendes Wasser, Lärm) alles andere als lustig sind für verwöhnte Europäer, wie wir es nun einmal sind.

Bereits 6:15 Uhr treffen die ersten von später ca. 30 Bauarbeitern ein. Sie versammeln sich schwatzend, telefonierend und manchmal auch singend (was eigentlich sehr schön ist) vor unserem Haus und warten auf den Einsatzleiter. Ab 6:30 Uhr werden die ersten riesige Steinbrocken manuell mit wuchtigen Hämmern zerschlagen und zum Verbauen fertig gemacht. Das verursacht im gesamten weiteren Tagesverlauf ein monotones dröhnendes Geräusch. Übertönt wird das jedoch ab 7:00 Uhr von den auf kurzer Strecke auf- und abfahrenden Baufahrzeugen. Entweder vibriert das Geschirr auf dem Tisch, sobald eine Verdichtungswalze die enormen Sandmassen am Boden festdrückt oder ein nervtötendes Sicherheitssignal beim Rückwärtsfahren setzt ein, begleitet von lauten Ausrufen des einweisenden Bauleiters. Arbeitsanweisungen für die zahlreichen Frauen, die Sand schaufeln oder Steine auf dem Kopf zum Verbauen an eine andere Stelle transportieren, werden ebenfalls geschrien, um den Baulärm zu übertönen. Was für eine gigantische Geräuschkulisse. Diese haben ich nicht nur vor dem Haus, sondern auch seitlich vom Haus, da natürlich auch die neue Hauptverkehrs- und Umgehungsstraße unter unserem gemieteten Grundstück weiterhin gebaut wird. Also alles im Doppelpack. Es ist zum Verzweifeln! Wo soll ich hin? Es ist Lockdown, also keine Chance zu entkommen. Die guten Bose-Kopfhörer helfen auch nicht mehr, den Lärm zu reduzieren. Ich verkrieche mich in die hinterste Ecke des Hauses und schließe alle Türen, in der Hoffnung, dass es dadurch leiser wird. Einen Film auf Netflix anschauen oder ein YouTube-Sportvideo einschalten zur Nachahmung ist ausgeschlossen. Man versteht kein Wort. Lesen? Ich kann mich nicht konzentrieren.

Es hilft nur, sich mit Haushaltstätigkeiten abzulenken. Abspülen, sauber machen, etwas kochen, Basilikum-Öl herstellen oder Weißkohl sowie Spinat aus dem Garten ernten und verarbeiten. Aber auch das ist alles nicht so einfach, ohne Wasser bzw. nur mit Regenwasser. Die Waschmaschine bleibt daher aus. Wir sammeln unsere Wäsche für den Besuch bei Freunden. Geschirrspülwasser oder Wasser zum Säubern von Obst und Gemüse muss erst abgekocht werden und dann wieder abkühlen. Aus Verzweiflung und Ungeduld mische ich es aber mit kühlem Regenwasser. Ganz schlecht! Das bringt Spaß für den Darm, was den Wasserverbrauch bei Toilettengängen auch nicht gerade reduziert.

Oder mache ich doch lieber erst mit dem Regenwasser die Zimmer sauber? Aber dann reicht es nicht mehr für den Abwasch und ich muss erneut unsere Security bitten, die Kanister zu füllen oder ich klopfe selbst noch mal beim Nachbarn. Die winzigen Eintagsfliegen schwirren jedoch schon um die verklebten Teller und das Kochgeschirr von gestern. Also Abspülen muss heute sein! Ein Albtraum für mich und das über 5 Wochen!

Doch damit nicht genug. Zusätzlich hat unser Vermieter entschieden, jetzt endlich mal etwas im und am Haus zu machen. Er hat drei Handwerker bestellt. Sie klopfen eine Woche lang außen und innen den bereits seit Monaten abbröckelnden Putz an einigen Wänden ab, verspachteln diese Stellen neu, schleifen sie vorbildlich ab, um abschließend die Wände wieder zu streichen. Der feine weiße Staub von den Wänden und der rotbraune Staub der Straßenbauarbeiten kriecht in alle Ritzen. Wischen oder kehren ist nicht so einfach. Mit einem Staubsauger wäre alles schnell weg, der ist jedoch nicht vorhanden. So sehe ich bei jeder Bewegung meine eigenen Fußspuren auf dem Boden und weiß, wo ich schon im Haus unterwegs gewesen bin.

Die Nerven liegen blank! Gott sei Dank gibt es unterdessen Lockdown Lockerungen und wir dürfen seit zwei Wochen auch mal wieder zum Spaziergang raus. Das hat mich ernsthaft gerettet. Teilweise bin ich 4 Stunden zu Fuß unterwegs und laufe ziellos herum. Schwitzend und schwer atmend durch die Gesichtsmaske, die wir dauerhaft in der Öffentlichkeit tragen müssen. Mal hole ich Thomas von Arbeit ab, ein Fußweg von 1,75 Stunden. Oder ich laufe zur Café-Bäckerei „Lamane“, die ich in knapp 1 Stunde erreiche. Jedoch sind nicht alle öffentlichen Einrichtungen wieder für Besucher offen, obwohl sie es mit den entsprechenden Sicherheitsabständen und Hygienemaßnahmen dürften.

Trotz der Erleichterungen flüchten wir am Samstag, 23.05. erst einmal zu Freunden. Sie reisen vorübergehend mit ihren beiden kleinen Kindern aus, da auch sie alle aufgrund der Gesamtsituation fertig sind. Im September wollen sie zum Neustart der Schulen wiederkommen. Bis dahin können wir in ihrem Haus wohnen, haben sauberes Wasser und vor allem Ruhe sowie eine bessere Internetverbindung durch die Nähe zur Innenstadt.

Thomas und ich freuen uns riesig auf diese Auszeit. Es wird ein Kurzurlaub in einem Ferienhaus in Kigali-City. Wir sind gespannt, was wir dann noch so alles erleben.

 

Flüssiges Gold

Seit drei Wochen haben wir kein sauberes Wasser mehr. Unsere 2 x 2000 Liter Wassertanks sind unterdessen leer und konnten nicht mehr aufgefüllt werden, da die Wasserleitung aufgrund der Straßenbaumaßnahmen vor unserem Haus beschädigt wurde. Jeden Tag versprachen uns der verantwortliche Bauleiter und unsere Nachbarn, dass die Wasserknappheit in wenigen Tagen überstanden und die Baumaßnahmen beendet seien. Daher verzichteten wir bisher auch auf einen LKW-Wassertransport zum manuellen Auffüllen. Dies erwies sich jedoch als Fehler. Nun tragen wir aller zwei Tage 50 bis 80 Liter Regenwasser mit Eimern und Kanistern vom Grundstück unseres Nachbarn zu uns, füllen es in unseren Mülleimer, den wir als „Wasserspeicher“ umfunktioniert haben und müssen uns an die Mehrfachnutzung von Wasser gewöhnen.

Für das tägliche Zahnputzwasser nutzen wir zwar noch unsere Trinkwasservorräte. Das morgendliche Waschwasser ist jedoch schon Regenwasser, welches mal mehr und mal weniger mit kleinen Eintagesfliegen, Grashalmen, Blättern oder Blüten verschmutzt ist. Zum Spülen des Geschirrs kochen wir es in großen Töpfen auf dem Gasherd ab und füllen es mit kaltem Regenwasser auf. Danach wird das Spülwasser weiter als Toilettenwasser verwendet und das hilft dann richtig beim Sparen. Erst unter Wasserknappheit realisiert man wirklich, wie viel Wasser man täglich im Haushalt nutzt und manchmal leider auch verschwendet.

Unterdessen gehen die Baumaßnahmen gut voran und wir sind guter Dinge, dass in spätestens einer Woche oder wirklich allerspätestens in einem Monat tatsächlich alles überstanden ist und wir uns nicht mehr zum Duschen und zum Wäsche waschen bei Freunden anmelden müssen.

Erfolgreicher Projektabschluss

Thomas hat beruflich etliche sehr spannende und inhaltlich anspruchsvolle Projekte bei RISA zu begleiten. Einerseits leitet er die eigentlich verantwortlichen Projektmanager*innen an, indem er organisatorische Strukturen schafft und andererseits führt er professionelle Tools zur Nutzung ein. Dabei steht sowohl Coaching für das Management als auch für das Team sowie für Einzelne im Umgang mit neuer Technik oder mit den geschaffenen Strukturen an. Nicht immer ist von Anfang an die Einsicht in die erforderlichen Veränderungen gegeben und die Begeisterung hält sich häufig in Grenzen. Ab und an kommt es auch zu offensichtlicher Ablehnung oder sogar zum Boykott, indem verabredete Arbeitsinhalte einfach nicht erbracht werden. Doch gerade in Krisenzeiten läuft Thomas zur Hochform auf. So ist es ihm z. B. gelungen, während des Lockdowns in der Corona-Krise sein Team im Homeoffice sehr gut zu motivieren und mit den zuständigen Ministerien sowie den internationalen Partnern zu vernetzen. Im Ergebnis entstand eine Regierungswebseite, die durch ein extra entwickeltes Dashboard Zahlen im Zusammenhang mit Corona-Infektionen übersichtlich abbildet. Auch die täglich aktualisierten Regierungsstatements zu den Neuinfektionen werden auf dieser Seite präsentiert. Die Pressestelle der ruandischen Regierung hat diesbezüglich die Darstellung der Inhalte übernommen, während sich Thomas mit seinem Team und externen Berater um die Soft- und Hardware kümmerte und den technische Support stellte.

Die Webseite ist nun seit zwei Wochen online und für alle Beteiligten ein riesiger Erfolg. Leider ist es in diesem Kontext bisher nicht üblich, Erfolge auch gemeinsam zu feiern. Das Team erfährt durch das Management keine Würdigung für seine Leistung. Letztere wird lediglich im Rahmen so genannter „Imihigos“ als „erreicht“ bewertet. Imihigos sind schriftlich fixierte Mitarbeiterjahresziele, die für jede Hierarchieebene detailliert ausformuliert und selbstverständlich mit den Management-, Institutions- und sogar mit den Regierungszielen in den einzelnen Ministerien monatelang abgestimmt werden.

Die Chance, den Erfolg gemeinsam zu feiern, wollte Thomas dem Team jedoch nicht vorenthalten. Es musste jedoch eine Möglichkeit geschaffen werden, die die Bedingungen des Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie berücksichtigt. So kam die Idee auf, alle Beteiligten zu einer Video-Abschluss-Feier einzuladen. Thomas wollte für alle Pizza bestellen und diese mit einem Getränk ausliefern lassen. In Vorbereitung sollte sich jeder aus den zahlreichen Bestellmöglichkeiten einer bekannten Pizzeria in Kigali, dem Sole Luna, eine Wunschpizza aussuchen und diese mit der Angabe der jeweiligen Privatadresse für die Lieferung an Thomas schicken. Für 19:00 Uhr war eine Video-Konferenz unter Teilnahme von Vertretern der Partnerorganisationen aus Polen und Rumänien, der Deutschen GIZ und des Managements von RISA angesetzt. Bis dahin musste also jeder seine Pizza geliefert bekommen haben.

Der erste festgesetzte Termin am 25.04. scheiterte leider an den individuellen Rückmeldungen der Kolleg*innen. Nur 2 von 18 Angeschriebenen meldeten sich mit ihren Angaben zurück, obwohl mehrfach eine Erinnerung an alle verschickt worden war. Enttäuscht sagte Thomas per E-Mail das Event wieder ab, stellte jedoch ganz allgemein einen späteren Termin bei noch aufkommendem Interesse in Aussicht. Nun wurden plötzlich alle aktiv: Entschuldigungen gingen ein, Pizza-Bestellungen folgten mit den Lieferadressen und der nächste Samstag, 02.05. wurde umgehend mit dem gleichen zeitlichen Ablauf festgehalten. Na dann, auf ein Neues!

Unterdessen hatte sich die Situation des Lookdowns jedoch noch einmal verschärft. Wir benötigten für alle außerhäuslichen Aktivitäten eine schriftliche polizeiliche Genehmigung. Diese hatten wir überraschender Weise zwar erhalten, jedoch explizit nur für den privaten Einkauf in einem Supermarkt. Nun wollten wir jedoch zu einer Pizzeria, um 18 Pizzen zu bestellen. Hoffentlich würde uns die Polizei nicht unterwegs abfangen und detailliert befragen. Dann bestand die Gefahr, zurückgeschickt zu werden oder schlimmeres.

17:00 Uhr brachen Thomas und ich auf und erreichten nach 15 Minuten ohne Polizeikontrolle die Pizzeria im Nachbarbezirk, Remera. Die Straßen waren menschenleer, kein Stau, wie ansonsten üblich. Vor Ort nahm die Bestellung trotz guter Vorbereitungen mit Adress- und Bestellliste noch einmal 30 Minuten in Anspruch. Schließlich musste jede Pizza mit der dazu passenden Adresse im Kassensystem eingegeben werden und wir wollten außerdem für 3 Parteien die Pizzen persönlich ausliefern. Diese Adressen lagen in unserem Wohnviertel, Kicukiro und daher auf unserem Rückweg. So wollte Thomas sicherstellen, dass wenigstens einige Pizzen zeitlich passend zum Video-Call geliefert waren.

Unterdessen war es 17:40 Uhr. Die Lebensmittelläden würden aufgrund des Lockdowns pünktlich 18:00 Uhr schließen aber wir wollten noch Getränke einkaufen, die mit der jeweiligen Pizza zusammen geliefert werden sollten. Im Eiltempo rasten wir zum nächsten „Simba-Supermarkt“, verpackten dort alle Softdrinks und Bierflaschen in Papiertüten, schrieben den Namen des Empfängers drauf und rasten zurück zur Pizzeria. Dort waren alle Pizzen unterdessen fertig und auf dem Tresen gestapelt. Die Beschriftung fehlte noch und nahm weiter wertvolle Zeit in Anspruch. Nach weiteren 10 Minuten waren alle Namen, Adressen und Getränke zugeordnet und die Rechnung bezahlt. Nun aber los!

Es war bereits dunkel als wir mit 8 Pizzen im Auto, einige Haushalte brauchten mehr als nur eine Pizza, durch die holprigen Straßen bzw. auf Sandwegen auf der Suche nach den 3 Adressen durch Kicukiro fuhren. Wieder einmal waren wir dankbar für unseren alten klapprigen Land Rover, der in diesem steilen und unebenen Gelände genau das richtige Fahrzeug war. Die Zeit wurde knapp. 18:45 Uhr würden sich die ersten Teilnehmer zum Video-Call einwählen und es wäre peinlich, wenn Thomas nicht da wäre.

18:30 Uhr standen wir mit unserem Auto in einer abgelegenen Sackgasse. Irgendwo hier wohnt eine Kollegin von Thomas, aber es gab natürlich keinen Straßennamen und auch keine Hausnummer. Telefonisch war sie nicht zu erreichen oder der Empfang war hier einfach zu schlecht. Aufgeregt und unter Zeitdruck rannten wir auf der Straße von einem Toreingang zum anderen und klopften. Verwundert wurden wir von den heraustretenden Einheimischen beäugt. Muzungus, die in eine Slum-Area Pizza liefern, das gab es hier noch nie. Verständigung unmöglich! Von der Kollegin jedoch war weiterhin keine Spur. Wir riefen laut ihren Namen, nachdem wir an allen Toren geklopft oder geklingelt hatten und viele Nachbarn um uns herumstanden. Gerade wollten wir aufgeben oder die Pizzen einfach irgendjemandem übergeben, als aus dem Dunkeln eines seitlichen Hinterhofes eine kleine schmale Frau heraustrat. Lucy! Wir übergaben hastig die Pizzen ohne viel Worte, sprangen ins Auto und rasten weiter zur dritten und letzten Lieferadresse. Dem jungen Kollegen hatte ich unterwegs telefonisch unser Ankommen bereits mitgeteilt und ihn gebeten, an die Straße zu kommen, um seine Pizza im Empfang zu nehmen. Das funktionierte wunderbar und wir mussten nicht lange suchen. So konnten wir einige Minuten wieder rausholen und erreichten verschwitzt und abgehetzt 18:53 Uhr unser Haus. Thomas wählte sich umgehend in die Video-Konferenz ein. Geschafft! Elisabeth, die Bereichsleiterin und Teamchefin, kam mit ihrer Tochter nach einigen Minuten auch noch zu uns nach Hause. Ihre Pizza stand bereits zum Aufwärmen im Ofen. Immer mehr Kolleg*innen wählten sich zur Video-Konferenz ein und los ging die Show!

Thomas eröffnete die kleine Feier und übergab dann das Wort an jeden einzelnen Vertreter für eine kurze Ansprache. Unterdessen hatten auch noch andere Kollegen ihre Pizza vom „Sole Luna“ geliefert bekommen. Einige mussten jedoch bis 21 Uhr warten, was wir jedoch erst am nächsten Tag erfahren haben. Bierflaschen wurden geöffnet, Dankesworte vom Management gesprochen und auf den gemeinsamen Erfolg angestoßen. Das Team war sichtlich gerührt. So viel Würdigung in einem sowohl feierlichen als auch lockeren Rahmen hatten sie noch nie zuvor erhalten. Mit großem Anlauf war diese Aktion also doch noch zu einem sehr schönen Ereignis für alle geworden.

Thomas hat Geburtstag

Zum 50. Geburtstag von Thomas wollten wir es richtig krachen lassen. Eine Party bei uns hier im Haus mit einer Ziege am Grillspieß und sogar ein musikalischer Live-Auftritt eines Freundes, Paco, waren geplant. Doch Dank Corona kam alles anders. Eine private Party? Ganz ausgeschlossen! Da seit einigen Wochen nur noch Lebensmittelläden geöffnet sind, gestaltete sich auch die Vorbereitung eines ansprechenden Geburtstagstisches mit Geschenken, Blumen und einer Glückwunschkarte scheinbar unmöglich.

Vom letzten eifrigen Arbeitseinsatz unseres Gärtners, der gerade vor einigen Tagen die Hecke und einige Sträucher verschnitten hatte, lagen noch einzelne Palmenblätter und eine einsame Rosenknospe verstreut auf dem Rasen. Die waren doch noch zu gebrauchen! Das Kalendermonatsblatt vom März mit einem tollen Foto vom Oderbruch und damit gleich noch mit einer Erinnerung an die Heimat wurde zur Glückwunschkarte umfunktioniert.

Seinen Geburtstagskuchen nach traditionellem Rezept musste sich Thomas einen Tag vorher jedoch selbst backen, da das meine Fähigkeiten im Umgang mit unserem Gasherd übersteigt. Ich habe allerdings assistiert und eine Orangen-Passionsfrucht-Füllung beigesteuert. Immerhin hatte ich auch eine kleine Torte bei unserer Lieblingsbäckerei „Lamane“ bestellt. Die musste ich nur noch abholen. Na bitte, wer sagt´s denn. Trotz eingeschränkter Möglichkeiten war alles da, was es zu einem schönen Geburtstag braucht.

Wir starteten mit einem Sekt-Frühstück. Danach wollte Thomas bis zum Mittag arbeiten und für den Nachmittag war noch eine Überraschung geplant.

So ganz ohne Geschenk kann ein 50. natürlich auch nicht gefeiert werden. Daher hatte ich über booking.com, um ein wenig Abwechslung in unseren Corona-Alltag zu bringen, eine Geburtstagsübernachtung in einem Hotel in Kigali gebucht. Diese Buchung wurde mir auch zwei Tage vorher noch vom Hotel mit vier überschwänglichen E- Mails bestätigt. Man freue sich auf unseren Besuch und wir sollten uns melden, falls wir Abholservice o.ä. benötigten. Na wunderbar. Das Ubumwe Grande Hotel war das einzige, was in Kigali noch buchbar gewesen war. So freuten wir uns auf ein tolles Doppelzimmer mit Blick über Kigali, eine Dachterrasse mit Swimmingpool und einen kleinen Fitnessraum. Getränke und Essen würden wir „take away“ irgendwo in der City bestellen und liefern lassen müssen. Zur Sicherheit hatten wir jedoch eine Flasche Rosé im Gepäck verstaut. Das Auto war von unserem Gärtner morgens noch einmal geputzt worden, es konnte also los gehen. Auf dem Weg zum Hotel holten wir noch die bestellte Torte ab. Alles verlief nach Plan!

Nach drei ungewöhnlichen Polizeikontrollen mit unangenehmen Befragungen kamen wir vor dem Hotel an und wurden darüber informiert, dass das Hotel leider komplett geschlossen sei. Wie bitte? Aber ich hatte doch eine Buchung und sogar mehrere schriftliche Bestätigungen. Doch alles diskutieren half nichts. Zu war zu! Das Alternativangebot eines Notfallappartements in einem anderen Stadtteil Kigalis schlugen wir dankend aus. Total enttäuscht fuhren wir wieder nach Hause und tranken erst einmal den ersehnten Geburtstagskaffe zur „Lamane-Torte“.

Leider musste Thomas von 14 bis 17 Uhr arbeiten. Danach wollten wir uns im „Sole Luna“ zwei Pizzen bestellen und liefern lassen. Die Bestellung war online jedoch nicht möglich, daher wählten wir eine andere Lokalität zur Essenslieferung. Doch auch diese war weder telefonisch noch online zu erreichen. Egal, dann fahren wir eben mit dem Auto schnell zum „Sole Luna“ und nehmen von dort zwei Pizzen mit. Doch auch diese Möglichkeit schied nach nur 20 Metern Fahrt aus. Unsere kleine Holzbrücke am oberen Straßenende war wieder einmal und ganz unvorhergesehen durch Bauarbeiten komplett versperrt. Wir mussten also unverrichteter Dinge umdrehen. Es war frustrierend. Schlechtes Karma an einem ganz besonderes wichtigen Tag.

Unterdessen war es 20 Uhr und wir etwas genervt. Aus dem Tiefkühlfach haben wir aus lauter Verzweiflung letztendlich selbst gemachte Rinderrouladen aufgetaut und diese auch gleich aus der Pfanne heraus aufgefuttert. Auf Stil und Etikette war gepfiffen! Dazu gab es gut gekühlten Rosé. Hm! Der Abend versprach doch noch ganz nett zu werden!

Das Telefon klingelte fast ununterbrochen und so konnte Thomas alle Anrufe und Gratulationen persönlich entgegennehmen. Im Hotel wäre er im Sportraum oder im Pool vermutlich nicht erreichbar gewesen. So hat doch alles auch seine gute Seite. Bis 23 Uhr quatschten wir stattdessen über Gott und die Welt mit Michi und Bodo, ehemalige Arbeitskollegen von Thomas. Unterdessen hatten wir auch eine zweite Flasche Wein geöffnet. Was für ein schöner Abend! Danke Corona!

Obgleich ganz anders als erwartet und mit einigen Hindernissen versehen, versicherte mir Thomas, dass es ein einmaliger Geburtstag war, an den er noch lange zurückdenken würde. Na das werden wir wohl beide auf jeden Fall!

Gesichtsmasken

Eine Gesichtsmaske bekommt man nicht nur bei einem entspannten Kosmetiktermin verpasst. Seit 20.04. besteht in Rwanda Maskenpflicht für
alle, die sich auf ihrem Weg zum Einkauf draußen aufhalten. Das wurde so ganz nebenbei in einer Erklärung des Gesundheitsministeriums am 19.04. zum aktuellen Stand der Corona-Infektionen bekannt gegeben. Selbstverständlich
wird auch noch einmal daraufhin gewiesen, dass weiterhin der übliche Mindestabstand von 1,50 Metern zu wahren ist. Eine Erklärung, warum Masken hilfreich und nützlich sind, gab´s auch noch über Twitter gratis dazu.

Masken gibt es auch hier in unterschiedlichen Ausführungen und zu unterschiedlichen Preisen. In den lokalen Pharmacy-Shops kann man die
üblichen grün- weißen OP-Masken erhalten. Einige LKW- und Motorradfahrer tragen die Schutzmasken mit eingebautem kleinem runden Filter. Wir wollten jedoch gern die lokale Wirtschaft unterstützen und haben uns daher Gesichtsmasken aus traditionellen Kitenge-Stoffresten nähen lassen.

Eine Freundin hatte uns einen guten Tipp gegeben. KigaliFAAM.com. Nach Anfrage per WhatsApp wurde mir sofort eine Preisliste zugeschickt und in weniger als 5 Minuten hatte ich die Bestellung aufgegeben. Thomas bezahlte
mit „Mobil Money“ (MOMO), ein bargeldloser Transfer vom Handy. Nun haben wir 8 Stück für 21 EUR frei Haus geliefert bekommen und hoffen, dass wir den fleißigen Näherinnen damit ein kleines Einkommen sichern konnten.
Wir spendieren auch einer Nachbarin und Kollegin von Thomas zwei Masken, schliesslich wollen wir nicht täglich unsere neuen Accessoires wechseln. Elisabeth freut sich schon auf die Masken. Sie sehen auch ganz witzig aus aber das Tragen wird eine Herausforderung. Man schwitzt wirklich enorm darunter sobald man sie länger als 5 Minuten verwendet und das noch einmal mehr bei Temperaturen um die 25 °C.

Viel Spaß!