Corona Impfstrategie

Die Wochen und Monate vergehen. Corona bleibt! Gott sei Dank sind die Zahlen an Neuinfektionen weiter gesunken und die Schutzmaßnahmen wurden daher gelockert. Seit mehr als einem Jahr hat die ruandische Regierung eine Ausgangssperre verhängt, die in den letzten Wochen in Abhängigkeit der Entwicklung der Coronaneuinfektionen zwischen 19:00 Uhr und 21:00 Uhr hin- und herpendelte. Jetzt wurde sie erstmalig um eine weitere Stunde nach hinten, auf 22.00 Uhr verschoben. Auch die Fitnessstudios dürfen wieder öffnen. Diese Erleichterungen gelten vorerst nur bis 30.05. und wurden am 05.05. bekanntgegeben.

Diese positive Entwicklung ist aus meiner Wahrnehmung nach wie vor nur mit den sehr strengen Regelungen, den vielfältigen und dauerhaften Kontrollen sowie den im März begonnenen ersten ca. 350.000 Impfungen zu erklären. Diese wurden durch das WHO COVAX-Spendenprogramm (Covid-19-Vaccines Global Access) an Ruanda ausgeliefert.

Anders als in Deutschland gibt es keine „Impfstrategie“. D. h. ein System, nach dem geimpft werden soll, ist nicht bekannt und in der Umsetzung auch nicht ersichtlich. Zum einen wurden vereinzelt Menschen mit speziellen Bedürfnissen geimpft, sofern sie durch Vertreter von Hilfsorganisationen zu den Impfstellen begleitet wurden. Auch medizinisches Personal wurde punktuell berücksichtigt. Zum anderen kamen zahlreiche Regierungsmitarbeitende in den Ministerien aber auch in deren ausgelagerten lokalen Organisationen wie z. B. RISA an die Reihe. Sie sind die einzige Personengruppe, die digital erfasst und daher vollständig greifbar ist. Begründete Kategorien, die die Impfstoffvergabe eindeutig nachvollziehbar machen, gibt es bisher nicht. Wer zuerst kommt, nachdrücklich fordert oder jemanden kennt und dann auch noch Glück hat, bekommt eine der wenigen Impfungen. Zu diesen Personen zähl z. B. auch Beth. Sie hatte einige ihrer blinden Klienten begleitet und auf eine Impfung bestanden.

Obwohl Thomas auf ausdrücklichen Wunsch seines ruandischen Arbeitgebers kurzfristig und über Nacht an einem Dashboard zur Darstellung des Impfverlaufes und Impfstatus gearbeitet hatte, war er jedoch nicht Teil der „Impfstrategie“. Alle seine Kollegen wurden für einen Tag von der Arbeit freigestellt und geimpft. Er war als einziger im Büro und arbeitete weiter.

Da war sie dann plötzlich, die erste persönliche Erfahrung von Diskriminierung. Thomas fühlte sich benachteiligt, ausgenutzt und im unmittelbaren Vergleich mit seinen Kollegen diskriminiert. Auf Nachfrage von ihm aber auch von einigen seiner Kollegen beim Vorgesetzten, weshalb er nicht ebenfalls geimpft werde, war die Antwort: „Nur ruandische Staatsbürger werden geimpft.“

Generell ist diese Einstellung natürlich nachvollziehbar und verständlich. Die wenigen Impfdosen sollen nicht für die im Land arbeitenden ausländischen Entwicklungshelfer, Consultants oder integrierten Fachkräfte ausgegeben werden. Sie haben mit Sicherheit alle Zugang zu anderen Impfmöglichkeiten in ihren Heimatländern. Trotzdem liess sich das Gefühl, diskriminiert zu werden, nicht verdrängen.

Leider bekommt die GIZ keine Impfdosen nach Rwanda geliefert, um ihre Mitarbeiter hier vor Ort versorgen zu können. Alle Angestellten müssen auf eigene Kosten in ihre Heimatländer fliegen, um dort ihren Anspruch entsprechend der Landesregelungen geltend zu machen. Daher reisen nun Schritt für Schritt die GIZ-Mitarbeitenden aus, sind wochenlang abwesend bzw. arbeiten nur remote. Schließlich muss jeder für einen vollständigen Schutz auf die zweite Impfung nach 4 bis 6 Wochen warten. Der Aufwand ist enorm. Jedoch auch wir werden die Chance ergreifen und Ende Mai nach Deutschland reisen.

Auf Familie, Freunde und Bekannte freuen wir uns schon riesig. Hoffentlich legen uns mögliche Nebenwirkungen der Impfung nicht lahm, so dass wir alle Besuche nach 9 Monaten der Abstinenz einfach nur genießen können.

Berlin, wir kommen!!

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