Weihnachten in Hoyerswerda

Unseren Weihnachtsurlaub hatten wir schon lange geplant und die Flüge gebucht, schließlich waren wir Corona-bedingt mittlerweile schon zwei Jahre nicht mehr zum Fest in Deutschland. Diese, gerade für mich sehr besondere Zeit des Jahres bei 23 °C in Kigali zu verbringen, hatte in diesen Jahren nicht zu der ersehnten Advents- und Weihnachtsstimmung geführt, die Thomas und ich daher so sehr vermissten.

Am 17.12. war es dann so weit. Wir flogen mit zahlreichen (leeren) Koffern und Taschen nach Berlin, um auf dem Rückflug wieder einmal 80kg Gepäck transportieren zu können, wovon sicherlich nicht alles Weihnachtsgeschenke wären.

Die Feiertage waren bei meinen Eltern in Hoyerswerda geplant. Wir würden gemeinsam ein Adventskonzert geniessen, uns mit den traditionellen Leckereien vollschlagen und am Heiligabend zum Gottesdienst gehen. Lotti, Leo und Larissa kämen am 1. Feiertag und abends fände die von allen erwartete Whiskey Verkostung mit den „stillen Reserven“ meines Väterchens und den neuen flüssigen weihnachtlichen Errungenschaften statt, bis die Zunge schon etwas schwer würde. Das waren doch tolle Aussichten!

Doch auch ohne Corona sollte es kein typisches „Hausmannsches Weihnachtsfest“ werden denn mir stand ein kleiner operativer Eingriff am Herzen bevor. Ein Loch zwischen dem rechten und linken Vorhof (PFO) sollte verschlossen werden, nachdem bei mir im vergangenen Jahr eine TIA und eine Tiefenvenenthrombose kurz vor unserem Rückflug nach Kigali diagnostiziert wurden. Ein Routineeingriff, sagten die Ärzte! Ich wäre nach dem minimal-invasiven Eingriff und nach nur einer Nacht im Seenland Klinikum Hoyerswerda wieder „weihnachtsfähig“.

So fuhr ich zwei Tage nach unserer Ankunft in Berlin am 19.12. mit dem Zug zu meinen Eltern und wurde am 20.12. in die Klinik eingewiesen, nachdem ein Schnelltest meine Corona-Freiheit bestätigt hatte. Allerdings hatte ich auch erst wenige Wochen zuvor in Kigali meine dritte Virus-Infektion mit 7 Tagen Quarantäne überstanden.

Doch erst einmal war ich nur sehr froh, dass wir trotz des engen Zeitplanes und meiner Weiterreise nach Hoyerswerda am Vortag wenigstens noch Thomas Bruder Alex und seine Familie sowie Thomas Schwester Christiane mit ihrer Tochter Johanna in Friedrichshagen zu einem gemeinsamen Frühstück treffen konnten. Es war ein tränenreiches Wiedersehen mit großer Herzlichkeit und Freude auf allen Seiten. Auch der Müggelsee zeigte sich auf unserem gemeinsamen Spaziergang von seiner ungewohnt winterlichen und trotzdem einladenden Seite. Klirrende Kälte hatte ihn zufrieren lassen und vereinzelt sah man Schlittschuhläufer.

In Hoyerswerda angekommen war es am nächsten Tag schon ein merkwürdiges Gefühl ausgerechnet auf einer der Stationen des Klinikums eingewiesen zu werden, auf der ich meine Ausbildung zur Krankenschwester von 1990 bis 1993 absolvierte. Es hatte sich herumgesprochen, dass eine Patientin aus Afrika aufgenommen worden war, deren Eltern beide jahrelang im Klinikum gearbeitet hatten. So fragten mich einige Schwestern und Ärzte während der Aufnahme, der Voruntersuchung und während des Anamnesegespräches ein wenig über Ruanda, meine Beweggründe und auch die familiären Zusammenhänge aus. Ich hatte nicht erwartet, diese „Exotik“ mit nach Hause zu bringen aber Hoyerswerda ist wohl und bleibt auch immer meine geliebte Heimatkleinstadt in Sachsen.

Nun war es Zeit! OP-Hemdchen angezogen und los ging die Fahrt im Bett, den Fahrstuhl nutzend in eine andere Etage, den langen Krankenhausflur entlang in einen Nachbartrakt- den OP-Bereich.

Dank der intensiven Vorbereitungen meines Väterchen war dieser Eingriff überhaupt so kurzfristig möglich und aus der Ferne für mich organisierbar geworden. Ich habe in Hoyerswerda keinen Hausarzt, der die Klinikeinweisung unkompliziert vornehmen und auch die Nachbehandlung übernehmen kann. Daher war dieser Tag trotz allen Ernstes der Jackpot für mich!

Es lief auch alles komplikationslos und ich wurde in der Tat nach nur einer Nacht im Krankenhaus entlassen. Lediglich ein kleiner Schnitt in der Leiste, professionell verschlossen mir „Ziernaht“ und ein riesiger blauer Fleck am rechten Oberschenkel waren die sichtbaren Zeichen des operativen Eingriffs. Ich war erschöpft und müde, hatte ich mir doch das Zimmer mit einer 100-jährigen Dame geteilt, um die ich mich ein wenig kümmerte, sofern der Schwesternnotruf nicht unbedingt erforderlich war. Sehr glücklich über das Weihnachtsgeschenk eines gesunden Herzens verbunden mit der Risikominimierung einer erneuten Thrombose oder Blutung war ich pünktlich zum ersten Stolle-Essen am 21.12. wieder zu Hause.

Die darauf folgenden Tage verliefen sehr entspannt. Thomas kam am 22.12. ebenfalls mit dem Zug und wir holten ihn mit meinem Väterchen vom Bahnhof in Senftenberg ab. Auf das geplante Adventskonzert am 23.12. verzichteten wir, da ich doch noch etwas schlapp war, viel schlief oder zumindest auf der Couch lag. Doch am späten Vormittag des 24.12. war ich schon wieder in der Lage, gemeinsam mit meinem Väterchen den Weihnachtsbaum zu schmücken und das traditionelle Glas Rotwein dazu zu trinken. Jetzt kam die so lang ersehnte Weihnachtsstimmung auf. Dazu trugen auch die winterlich kalten Temperaturen in Deutschland, die vielen Kerzen in der Wohnung meiner Eltern und die Weihnachtsdekoration mit roten Weihnachtssternen, Räuchermännern, Nussknackern und Pyramide bei. Welcome home!

Am Heiligabend verfolgten wir den Gottesdienst im Fernsehen und gingen nicht wie üblich in die Johanneskirche in der Altstadt. Ausruhen und liegen war für mich immer noch angesagt sowie auch die Einnahme einer minimalen Dauermedikation. Doch ein Heiligabend ohne gemeinschaftliches Singen in der Kirche, ohne die klaren Stimmen eines Chores und ohne eingemummelt zu sein in dicke Wintersachen auf einem leicht beheizten Sitzplatz im Mittelschiff der Kirche war nicht zu vergleichen mit den vielen Jahren des traditionellen Feierns zuvor. Aber wir sassen nach zwei Jahren endlich wieder beisammen und das war einfach wunderbar!

Lotti kam am 1. Feiertag auch mit dem Zug zu meinen Eltern. Das sollte doch wohl den CO2 Fußabdruck der Familie ein wenig verbessert nach unseren 8-10 stündigen Flügen von und nach Kigali. Leider konnten Leo und Larissa nicht mitkommen. Leo war krank geworden und daher blieben beide in Berlin. In kleiner Runde fand die Whiskey Verkostung statt und jede/r wählte seine/ihre Lieblingssorte.

Merry Christmas!

Der Abschied kam leider wieder einmal schneller als erwarten. Bereits am 26.12. reisten wir drei wieder zurück nach Berlin, um am 27.12. hastig die letzten Einkäufe zu tätigen und am 28.12. gemeinsam mit Thomas Mutter zurück nach Kigali zu fliegen.

Silvester würden wir also bereits wieder in unserem zweiten Zuhause und in einer anderen Familiekonstellation feiern. Der Tisch im Rooftop-Restaurant eines Hotels war schon bestellt und die festliche Kleidung im Koffer verstaut.

Auf einen guten, gesunden und erlebnisreichen Start ins Jahr 2023!

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