Grenzerfahrungen

Thomas und ich waren ganz wunderbar ins neue Jahr gekommen. Am 01.01. packten wir gleich früh unsere Rucksäcke, verstauten auch noch unseren 20-Liter-Wasserspender im Auto und brachen zum Neujahresausflug nach Uganda auf. Die Reifen würden die Strecke nach den gestrigen Ereignissen ja wohl durchhalten?! 5 Tage wollten wir am Bunyonyi See, nur eine Stunde hinter der Landesgrenze gelegen, verbringen. Diesen Ausflugstipp hatten wir von einem rumänischen Arbeitskollegen von Thomas bei einem gemeinsamen Dienstessen bekommen.
Wir waren auch gut vorbereitet. Unsere ruandischen Ausländerausweise, auf denen wir wie Schwerverbrecher ausschauen, lagen griffbereit. Die Reisepässe hatten wir eingepackt und die Autopapiere inkl. Versicherung klemmten hinter der Sonnenschutzblende im Auto. Es konnte also los gehen!

Die Autofahrt war entspannt, ohne die nervigen LKWs, die sonst bei Überlandfahrten das Vorwärtskommen nur im Schritttempo, und das ist nicht übertrieben, ermöglichen. Wir fuhren an einem üppig grünen Tee-Tal entlang und die Sonne strahlte. Nach zwei Stunden kamen wir an der Grenze an und überreichten dem ruandischen Grenzbeamten stolz unsere neuen und erst eine Woche alten Ausweiskarten.

Doch so einfach sollte es nicht sein. Wir wurden aufgefordert, einige Meter zurückzufahren und uns bei der Immigrationsbehörde anzumelden. Dort würden wir mit unseren neuen Ausweiskarten je einen „Einreiseschein“ erhalten. OK! Gesagt, getan! Das dauerte auch nur wenige Minuten, da wir zu dieser Zeit noch fast allein am Grenzübergang waren. Von der Immigrationsbehörde wurden wir zur Polizeikontrolle geschickt, da auch unsere Autopapiere überprüft werden mussten. Auch hier übergaben wir zuversichtlich dem Beamten die Unterlagen, doch leider reichten unsere Fahrzeugpapiere zum Passieren nicht aus. In ihnen stand noch der Name des ehemaligen Besitzers. Wir hatten das Auto aufgrund der bisher fehlenden ruandischen Ausweise noch nicht umgemeldet. Das sei auch nicht unbedingt erforderlich, wurde Thomas gesagt. Grenzüberfahrten seien trotzdem möglich. Auch ein gültiger Versicherungsschein verbesserte unsere Situation nicht. „Der ist aber auch nur für Ruanda gültig.“, kam es aus dem offenen Schalterfenster. Auch das noch! Wir sollten doch bitte nachweisen, dass wir rechtmäßige Besitzer des Autos seien und hätten doch bestimmt einen Kaufvertrag, den wir zeigen könnten. Na klar doch! Aber eben nicht mit und nicht hier, sondern in Kigali in der Schublade. Wer reist schon mit einem kompletten Kaufvertrag durch die Lande? Aber vielleicht hatte Thomas ja noch eine Kopie davon auf seinem Handy? Hektisches Suchen und…leider nein! Mit den vorhandenen Papieren war uns also ein Besitznachweis für das Auto nicht möglich. Wir standen tatsächlich an der Grenze und kamen nicht rüber?! Oh nein, bitte nicht! Die ganze Fahrt und auch die Vorfreude umsonst? Warten! Überlegen! Wir würden tatsächlich umdrehen und am nächsten Tag mit dem Kaufvertrag zurückkommen müssen?!
Thomas versuchte den ehemaligen Besitzer telefonisch zu erreichen, aber es war Feiertag und da schlief der wohl etwas länger. Verdammt! Warten! Warten!
Nach einiger Zeit klingelte Thomas Telefon und der Altbesitzer meldete sich etwas verwundert. Wir übergaben das Telefon an den Grenzbeamten und am Ende des Gespräches hatte man sich darauf geeinigt, dass der ehemalige Besitzer per Whatsapp eine schriftliche Erklärung an die Polizeibehörde schicken könne, in der er bestätigte, dass wir das Auto von ihm gekauft hatten. Erleichterung! Das war also geklärt. Es dauerte auch nicht lange und wir hatten unseren „Autoeinreiseschein“. Damit ging es nun weiter zu einem „zufällig“ an der Grenze vorhandenen Versicherungsbüro, denn wir brauchten ja noch eine separate Autoversicherung für Uganda. Diese war natürlich hier vor Ort für eine Woche so teuer, wie ansonsten der Aufstockungsbetrag für unseren Autoversicherungsjahresbeitrag. Ärgerlich, aber machbar. Wir wollten nun nach der ganzen Aufregung, die schon hinter uns lag, unbedingt nach Uganda einreisen. Da auch die staatliche Computertechnik an der Grenze nicht immer hundertprozentig funktioniert, dauerte die Antragstellung für die 5-Tage-Versicherung etwas länger als vermutet. Aber geduldig zu sein, haben wir unterdessen ganz gut gelernt. Daher besorgten wir uns erst einmal zwei Cola und zwei frittierte gefüllte Teigtaschen für unser Mittagessen und nach 1 Stunde hob sich für uns endlich der Schlagbaum.

Allerdings begann nun ein ähnliches Prozedere auf der ugandischen Seite.
Erste Station war wieder die Immigrationsbehörde mit dem üblichen Ausfüllen eines Einreiseformulares und der Übergabe unseres ruandischen „Einreisescheines“. Es folgte als zweite Station die offizielle Passkontrolle bei der Polizei mit erneuter Kontrolle unserer Autopapiere
und der Übergabe der Genehmigung zur Einfuhr des Autos von den ruandischen Behörden. Überall notierten gelangweilt blickende Beamte unsere Ausweis-, Auto- und Passnummern händisch in große Bücher. Doch ohne nennenswerte Unterbrechung überstanden wir alle Nachfragen und Kontrollen. Zu guter Letzt schrieb uns sogar ein Beamter noch drei Worte in „ugandisch“ auf: Hallo! Guten Tag! Danke! Da Uganda jedoch 54 sehr unterschiedliche Dialekte und Sprachen im Land vereint und sich die Einheimischen untereinander oft nicht verständigen können, ist Englisch die Amtssprache. Hatten wir ein Glück! Wir würden also die drei doch recht komplizierten Worte vermutlich gar nicht nutzen müssen.

Etwas unsicher fuhren wir diesmal an die Grenzschranke heran, doch sie
öffnete sich und so waren wir nach zwei Stunden Grenzkontrollmaßnahmen fast an unserem Reiseziel.

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